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Drei Tipps für die Auswahl einer Mobiltechnologie-Plattform für Notfalldienste

Als ehemaliger Polizist bin ich mir der zentralen Bedeutung einer zuverlässigen und effizienten Mobiltechnologie-Plattform für den Notfalldienst bewusst. Bei der Auswahl einer Lösung gilt es zunächst, einige grundlegende Vorüberlegungen anzustellen. Diese beziehen sich zunächst auf die Geräteeigenschaften, aber auch die Kommunikationsstrategie und die benötigten Anwendungen sollten dabei berücksichtigt werden. Eine Fehleinschätzung in einem dieser drei Bereiche wirkt sich unweigerlich negativ auf den erfolgreichen Einsatz der Lösungen aus.

Die drei folgenden Empfehlungen sollen Ihnen bei der Auswahl der richtigen Lösung für Ihren Notfalldienst helfen.

1. Wählen Sie eine Kommunikationslösung mit einer zuverlässigen und flächendeckenden Netzabdeckung

Im Gegensatz zu einem Außendienst-Mitarbeiter, dem häufig ein mobiles Gerät mit lokal gespeicherten Daten für seine Arbeit genügt, müssen Rettungskräfte vor Ort immer in Echtzeit auf alle verfügbaren Informationsquellen zugreifen können. Eine zuverlässige Wireless-Verbindung ist deswegen von herausragender Bedeutung. Vergewissern Sie sich, dass die von Ihrem Carrier angebotene Durchsatzrate für Sprach- und Datenübertragung Ihr gesamtes Einsatzgebiet in ausreichender Qualität abdeckt. Vergleichen Sie dabei unbedingt Angebote mehrerer Service-Anbieter! Wenn Ihre Rettungskräfte in einer sehr ländlichen Gegend ohne ausreichende Netzabdeckung agieren, sollten Sie unbedingt sicherstellen, dass der Empfang durch Antennen mit Signalverstärker oder notfalls sogar durch eine satellitengestützte Kommunikation gewährleistet wird.

2. Vergleichen Sie alle verfügbaren Informationen, bevor Sie sich für eine Lösung entscheiden

Informieren Sie sich, welche Anwendungen Ihre Organisation für den Support der Rettungskräfte vor Ort verwendet. Da Kommunikationslösungen für den Rettungsdienst enorm leistungsfähig, robust und zuverlässig sein müssen, sollte die Anschaffung gut überdacht und geprüft werden. Berücksichtigen Sie dabei stets: Die grundlegende Neuentwicklung einer Anwendung sollte erst dann in Erwägung gezogen werden, wenn alle anderen Möglichkeiten aufgrund technischer oder strategischer Unzulänglichkeiten ausgeschlossen sind. Stellen Sie auf jeden Fall sicher, dass sämtliche Optionen geprüft und entsprechende Angebote aller relevanten Hersteller vorliegen. Auch die Rücksprache mit Führungsgremien der Notfalldienste sowie Branchenkennern kann in komplizierten Fällen kostbare Informationen liefern.

Zusätzlich zu der Frage nach den benötigten Anwendungen sollten Sie abklären, ob diese Dienste nur lokal vorgehalten und welche online auch von extern zugänglich sein müssen. Einzelne Anwendungen nur lokal zu betreiben hat den Vorteil der permanenten Verfügbarkeit. Zudem stellen Netzabdeckung und verfügbare Bandbreite kein Problem dar. Im Gegenzug benötigt dies mehr Rechenleistung und stellt höhere Anforderungen an Wartung und Service. Anwendungen, die von einem Dienstleister gehosted oder auf SaaS-Basis (Software als Service) angeboten werden, lassen sich im Regelfall monatlich abrechnen. Gleichzeitig liegt die Verantwortung der regelmäßigen Wartung und fälliger System-Updates vollständig beim Betreiber des Rechenzentrums oder dem Cloud-Anbieter. Dies stellt eine enorme Arbeitserleichterung dar, ist aber im Krisenfall - beispielsweise bei einer Naturkatastrophe oder bei Unruhen - ein möglicher Schwachpunkt.

3. Behalten Sie die Gesamtbetriebskosten bereits bei der Auswahl einer Lösung im Blick
Manche Organisationen betrachten mobile Endgeräte noch immer als Verschleißartikel, die sich nach einer Beschädigung leicht und vergleichsweise kostengünstig ersetzen lassen. Wenn auch Sie mit dem Gedanken spielen, Ihre Einsatzkräfte mit gängigen Consumer-Lösungen wie Android-, iOS-, oder Windows-basierten Tablet-PCs auszustatten, empfiehlt sich ein Blick auf Studienergebnisse des unabhängigen Marktforschungsinstituts VDC Research Group. Diese bestätigen zunächst den geringeren Preis von Consumer-Lösungen gegenüber den robusten Geräten für den professionellen Einsatz. Zieht man jedoch die enormen Kosten und Probleme in Betracht, die durch nicht funktionierende oder unzureichend ausgerüstete Geräte entstehen, punkten ganz klar die hochspezialisierten Branchenlösungen. Obwohl robuste Tablet-PCs in der Anschaffung teuerer sind, schneiden sie bei den durchschnittlichen Gesamtbetriebskosten besser ab. Gleichzeitig sind sie besser auf die rauhen Einsatzbedingungen ausgelegt.

Mit diesen weiteren Gesichtspunkten möchten wir Sie bei der Auswahl der passenden Lösung unterstützen:

a. Bauweise
. Je nach Arbeitsanforderungen hat die Nutzung von Handhelds, Tablet-PCs und Laptops ihre Vor- und Nachteile. Erfordern die Arbeitsprozesse nur wenig Dateneingabe, machen vor allem Dropdown-Menüs und Kontrollkästchen Sinn, wie sie beispielsweise auf Handhelds gut ausgeführt werden können. Werden hingegen Windows-basierte Anwendungen benötigt oder große Datenmengen, Grafiken und Karten bearbeitet, empfiehlt sich die Verwendung von Tablet-PCs oder Laptops. Ein entscheidender Vorteil der Tablet-Technologie gegenüber herkömmlichen Laptops ist deren größere Flexibilität. Dank ihrer kompakten Bauweise lassen sie sich bequem mitnehmen. Gleichzeitig gewährleisten Bluetooth-Tastaturen den Bedienungskomfort eines Laptops. Jedoch heißt es "Augen auf" beim verwendeten Betriebssystem: Nicht jeder Tablet-PC unterstützt alle im Rettungswesen gebräuchlichen Anwendungen. Prüfen Sie daher in jedem Fall, ob das Betriebssystem des Tablets für Ihre Einsatzzwecke geeignet ist.

b. Angegebene und tatsächliche Widerstandsfähigkeit. Viele Hersteller von Mobile Computing-Lösungen bezeichnen ihre Produkte als robust. In der Tat weisen die meisten dieser Geräte jedoch nur eine mittlere Widerstandsfähigkeit auf. Verlassen Sie sich deshalb in Ihrem Auswahlprozess nicht allein auf das Nachfragen. Testen Sie relevante Lösungen gründlich unter realen Einsatzbedingungen, bevor Sie sich entscheiden.Folgende Kriterien sollten Sie berücksichtigen:
i. Lässt sich das Gerät mit herkömmlichen Desinfektionsmitteln säubern?
ii. Wie sieht es mit der Sturz- und Stoßempfindlichkeit aus? Aus welcher Höhe kann das Gerät unbeschadet auf welche Art von Oberflächen fallen?
iii. Ist das Gerät innen zusätzlich mit Schutzvorkehrungen gegen Stürze und Stöße ausgestattet? (im Gegensatz zu Consumer-Lösungen, die einfach in einem Hardcase verpackt sind)?
iv. Lässt sich der Bildschirm auch bei Sonneneinstrahlung gut ablesen? Ist der Bildschirm mit einer Hintergrundbeleuchtung für nächtliche Einsätze ausgestattet? 
v. Verwendet das Gerät ein rotierendes oder ein Solid State Drive-Laufwerk?

c. Akku-Laufzeit. Akku-Laufzeit ist besonders im Rettungswesen ein zentraler Gesichtspunkt - außer das Gerät verbleibt die meiste Zeit in der Ladestation des Fahrzeugs. Viele Einsatzkräfte arbeiten nicht in den üblichen achtstündigen Schichten. Deshalb sind gerade hier zuverlässige Akkulaufzeiten von zehn oder sogar zwölf Stunden erforderlich. Besonders eignen sich Geräte, deren Akkus sich im laufenden Betrieb auswechseln lassen, ohne dafür das System herunterfahren zu müssen (Hot Swap-Akkus).

d. Docking-Stationen und Befestigungslösungen. Rettungskräfte nutzen ihre mobilen Tablet-PCs überwiegend im Einsatzfahrzeug. Achten Sie unbedingt darauf, dass sich die Lösungen sicher und platzsparend im Fahrerraum befestigen lassen. Docking-Stationen sollten bequem zugänglich, flexibel und robust sein und zudem maximale Konnektivität bieten. 

Die tägliche Arbeit von Notfalldiensten hängt heute in einem erheblichen Maß von der Verfügbarkeit leistungsfähiger Mobiltechnologie ab. Eine gut bedienbare und robuste Lösung, ausgestattet mit den passenden Anwendungen, ist deshalb für Ihre Mannschaft ein unschätzbares Werkzeug. Richtig eingesetzt verhilft es in kürzester Zeit zu höherer Produktivität und leichterer Entscheidungsfindung.  Kurz: Sie erlaubt es den Einsatzkräften, sich auf ihre Hauptaufgabe zu konzentrieren – Leben zu retten, zu beschützen und der Öffentlichkeit zu dienen.

Rob Karsch
Motion Computing